Nachruf Prof. Dr. Dr. h.c. Richard Schaeffler

04.03.2019

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum trauert um Prof. Dr. Dr. h.c. Richard Schaeffler, der am 24.2.2019 verstorben ist. Richard Schaeffler war der erste Professor für Philosophisch-Theologische Grenzfragen an der 1962 gegründeten Ruhr-Universität und gehörte zur Gründergeneration unserer Fakultät. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.


Nachruf Schaeffler
© Verlag Herder

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum trauert um

Prof. Dr. Dr. h.c. Richard Schaeffler

*20.12.1926 + 24.2.2019

Der gebürtige Münchener war wegen seiner jüdischen Mutter bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Repressalien ausgesetzt. 1945 begann er das Philosophiestudium – mit Ausnahmegenehmigung am damaligen Berchmanns-Kolleg der Jesuiten in Pullach. Ab 1946 studierte er Philosophie, Psychologie und Katholische Theologie an der Universität Tübingen. Dort wurde er 1952 mit einer Dissertation über Jaspers‘ Glaubensbegriff bei Gerhard Krüger zum Dr. phil. promoviert. Es folgte die Assistentenzeit und 1961 auch die Habilitation mit der 1963 publizierten Schrift Die Struktur der Geschichtszeit an der Philosophischen Fakultät in Tübingen.

1968 wurde Schaeffler auf den Lehrstuhl für Philosophisch-Theologische Grenzfragen an der Ruhr-Universität Bochum berufen, den er bis zu seiner Emeritierung 1989 innehatte. Schaeffler war einer der profiliertesten Vertreter einer an Kant anschließenden Transzendental- und Religionsphilosophie, wie er sie programmatisch in Religion und kritisches Bewusstsein (Freiburg 1973) entworfen hatte. Zu seinen bekanntesten Werken gehört die dreibändige Philosophische Einübung in die Theologie (Freiburg 2004). Das letzte Buch aus seiner nimmermüden Feder erschien noch in diesem Jahr: Das Gute, das Schöne und das Heilige (Freiburg 2019).

Mit der Münchener Hochschule für Philosophie blieb Schaeffler zeitlebens verbunden. 1995 stiftete er dort den „Richard-Schaeffler-Preis für philosophisch-theologische Grenzfragen“. Bis 2011 lehrte er als Gastprofessor. Schon 2005 hatte ihm die Hochschule wegen seiner besonderen philosophischen Verdienste den Grad eines Dr. phil. h.c. verliehen.

Schaeffler war Mitbegründer der „Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Philosophiedozentinnen und -dozenten im Studium der Katholischen Theologie an wissenschaftlichen Hochschulen“, deren etwas sperriger Name vor allem die Offenheit für alle wissenschaftlichen Hochschulen und für alle deutschsprachigen Dozent(inn)en, egal welcher Nationalität zum Ausdruck bringen sollte. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft werden seine bis ins hohe Alter ungebrochene Diskussionsleidenschaft und seine Bereitschaft, sich auch mit ihm weniger vertrauten Ansätzen inhaltlich auseinanderzusetzen, in bester Erinnerung behalten.

Richard Schaeffler war auch im kirchlichen Umfeld sehr engagiert, etwa beim Bochumer Stadtkatholikenrat, beim Zentralkomitee der Deutschen Katholiken und in der Ausbildung der Priesteramtskandidaten des Bistums Essen. Viele Jahre war er Mitglied im „Ökumenischen Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen“, stets an der argumentativen Stringenz theologischer Konsensbildungen interessiert.

Richard Schaeffler war der erste Professor für Philosophisch-Theologische Grenzfragen an der 1962 gegründeten Ruhr-Universität. Er gehörte zur Gründergeneration unserer Fakultät. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.


Für die Katholisch-Theologische Fakultät
PROF. DR. THOMAS SÖDING, DEKAN

Für den Lehrstuhl für Philosophisch-Theologische Grenzfragen
PROF. DR. DR. CHRISTIAN TAPP


  Eine Erinnerung an Richard Schaeffler von seinem früheren Assistenten Prof. Dr. Gerd Neuhaus. (80.1 kB)