Wo nur?

07.02.2018

Die biblische Archäologie will schon wieder beweisen, dass die Bibel recht hat. Im Rephaim National Park nahe Jerusalem hat ein Team um Irina Zilberbod eine Wasserstelle südwestlich von Jerusalem ausgegraben, über der eine byzantinische Kirche stand.

(Quelle: Zev Rothkoff)

"... zieh nach Süden ..."
(Apg 8,26)

Nun schießen die Spekulationen ins Kraut, ob das jener berühmte Ort gewesen sein könne, an der Philippus den äthiopischen Eunuchen getauft habe. Thomas Söding rät zu größter Skepsis. In der Apostelgeschichte steht nur: "Steh auf und geh gen Süden auf den Weg, der von Jerusalem nach Gaza hinabführt, er ist einsam" (Apg 8,26). Später ist lediglich von einer Wasserstelle die Rede, ohne weitere Ortsangabe (Apg 8,36). Mehr findet sich in der Bibel nicht.
"Mein Vorvorgänger in Bochum, Gerhard Schneider, hat in seinem Kommentar recherchiert, dass die Tradition die Taufstelle beim sog. Philippusbrunnen gesucht hat, der bei Beth Sur nördlich von Hebron liegt (Apostelgeschichte I 506 Anm. 77). Andere haben an ein Tal nördlich von Gaza gedacht. Sicher ist nichts." Allerdings sei der Druck auf archäologischen Teams, Fakten zu produzieren, extrem hoch. Söding: "Es gibt eine Historizität erster Ordnung, die genau Zeit und Ort markiert; das ist bei der Philippusgeschichte nicht möglich. Es gibt eine Historizität zweiter Ordnung, die sich am Bibeltext selbst festmacht und sich mit ihm auf Wanderschaft nach möglichen Anknüpfungspunkten macht; das ist bei der Philippusgeschichte nicht nötig. Sie ist spektakulär genug: als kreative Erinnerung an eine Schnittstelle zwischen der Israel- und der Völkermission im Urchristentum. Wer die Brisanz der Geographie erkennen will, muss nach Afrika schauen: nach Äthiopien und die christlichen Gemeinden dort unterstützen, die unter massivem Druck stehen."