Die Dogmatik ist ein Teilgebiet der Systematischen Theologie und versteht sich als wissenschaftliche Explikation des intellectus fidei. Das heißt, sie ist dialektisch auf den in der Heiligen Schrift bezeugten und in der Tradition überlieferten Glauben an den in der Geschichte Jesu offenbar gewordenen Gott bezogen, sofern sie einerseits von der Praxis des Glaubens herkommt (Kirchlichkeit) und andererseits auf diesen zurückwirkt und zwar in der Form epistemologisch geprüfter und methodisch vollzogener Reflexion (Wissenschaftlichkeit). Näherhin fällt der Dogmatik als Hermeneutik des Glaubens die spezifische Aufgabe zu, die systematische Darstellung der Glaubenswahrheit und ineins die Vergegenwärtigung ihrer Bedeutung zu leisten. Zugleich ist die Dogmatik diejenige wissenschaftlich-theologische Reflexionsinstanz, die die Verbindlichkeit der Glaubenslehre eigens in den Blick nimmt und dabei die in der kirchlichen Praxis erhobenen Wahrheits- und Geltungsansprüche im Medium dogmatischer, dogmenhistorischer und philosophischer Methoden begründet und rational verantwortet.
Zu den Schwerpunkten der am Lehrstuhl vertretenen Lehre und Forschung gehört insbesondere die kritische und konstruktive Vermittlung des christlichen Glaubens mit relevanten Richtungen des neuzeitlichen und gegenwärtigen Denkens und betrifft sowohl besondere Glaubensinhalte als auch grundlegende hermeneutische und methodologische Fragen Dogmatischer Theologie. Besonderes Interesse gilt der Theologie und Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts, den klassischen und zeitgenössischen Gestalten der Subjekt- und Freiheitsphilosophie sowie den Grundlagendiskussionen in der gegenwärtigen Systematischen Theologie. Der am Lehrstuhl vertretene Ansatz der Dogmengeschichte ist methodisch an dem Entwurf einer Theorie der Überlieferungsgeschichte interessiert, die unter dem Begriff der Denkformanalyse eine Alternative ins Spiel bringen will zu traditionellen Theorien der „Dogmenhermeneutik“ respektive „Dogmengeschichte“.