Laufende Dissertationen

Alina Potempa

Dissertationsprojekt (Fakultät für Geschichtswissenschaft und Katholisch-Theologische Fakultät):

Wie Katholiken die moderne Ökonomie entdeckten – Rezeptionsweisen, Initiativen und Ambitionen im Kontext von Katholischer Spätaufklärung und Ultramontanismus bis 1865 (Arbeitstitel)


Das Dissertationsprojekt nimmt die ökonomischen Vorstellungen zweier international ausgewählter Katholiken in den Blick, die im Kontext von Katholischer Spätaufklärung bzw. Ultramontanismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf zeitgenössische wirtschaftsliberale Diskurse und Theoreme reagieren und sich theoretisch wie praktisch zu ihnen positionieren. Auf der einen Seite steht mit Ignaz Heinrich von Wessenberg (1774-1860) eine prominente Gestalt der Katholischen Spätaufklärung in Südwestdeutschland, auf der anderen Seite der im deutschen Sprachraum heute nahezu unbekannte Belgier Charles Périn, eine der führenden Persönlichkeiten der ultramontanen Bewegung in Belgien und ab 1845 Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftswissenschaften an der Katholischen Universität Leuven. Auf Basis einer Erarbeitung ihrer jeweiligen ideengeschichtlichen Kontexte sollen katholische Rezeptionsweisen der modernen Ökonomie herausgearbeitet werden, die sich bei Wessenberg eher in praktischen, bei Périn in theoretischen Initiativen manifestieren. Derartige Annäherungen sind gerade für den deutschen Katholizismus bisher nicht dezidiert konstatiert geschweige denn aus kirchengeschichtlicher Perspektive erforscht worden.
Es gilt besonders auf die einzelnen Ambitionen - möglicherweise gar gründend in einer international verschieden nuancierten katholischen ‚Lagerzugehörigkeit‘ - zu achten, sich auch und gerade als Katholik in zeitgenössische ökonomische Diskurse einzumischen. Darauf aufbauend soll eine abstrahierende These zum Verhältnis von anthropologisch-theologischen und ökonomischen Freiheitskonzepten in den Einzelargumentationen entwickelt werden, die illustriert und zugleich entschlüsselt, wie bereits zu dieser Zeit höchst verschiedenartig an der auch heute wieder dringlichen Frage nach Wegen der Implementierung ethischer Grundhaltungen in wirtschaftssystemische Eigenlogiken gearbeitet wurde.