Tilman Riemenschneider, Evangelist Johannes, 1490–1492, Lindenholz; Teil einer Gruppe der vier Evangelisten, aus dem Sockel des Hochaltarretabels der St. Magdalenenkirche in Münnerstadt

Johannes der Evangelist

„Dies ist geschrieben worden, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes“ (Joh 20,31) – so kennzeichnet der Vierte Evangelist die Absicht seines Werkes. Die Tradition sieht in ihm den Lieblingsjünger, der dem Herzen Jesu am nächsten stand, und identifiziert ihn mit Johannes, dem Sohn des Zebedäus.
Die Notiz über Sinn und Zweck seines Buches folgt unmittelbar auf die Geschichte vom ungläubigen Thomas. „Selig, die nicht sehen, und doch glauben“ (Joh 20,29), ist das letzte Wort Jesu.
Johannes weist mit seinem Evangelium den Weg, wie dieser Glaube möglich ist: durch die Erinnerung an Jesu Worte und Taten, an sein Leiden und seine Auferstehung, die durch das Evangelienbuch lebendig gehalten wird.
Der Evangelist Johannes wird von der christlichen Kunst als ein junger Mann gezeichnet, der die entscheidende Prägung seines Lebens durch die Freundschaft mit Jesus erfahren hat. Er wird als ein ebenso spiritueller wie intellektueller Mensch gesehen, der durch sein „geistliches Evangelium“ (Clemens von Alexandrien) den Glauben an Jesus Christus vertieft.
Oft wird der Evangelist Johannes mit einem Kelch dargestellt - weil Joh 17 als "hohepriesterliches Gebet" gelesen worden ist. Tilmann Riemenschneider hat in der St. Magdalenen-Kirche zu Münnerstadt hingegen einen Leser und Autor dargestellt: mit einem Buch, dem Evangelium nach Johannes.

Ein Buch zum Weiterlesen:
Th. Söding (Hg.), Johannesevangelium – Mitte oder Rand des Kanons? (QD 203), Freiburg - Basel - Wien 2003

Aufsatz von Thomas Söding zur Gestalt des Lieblingsjüngers
„Er hat es gesehen“ (Joh 19,35). Der Lieblingsjünger im Johannesevangelium, erscheint 2009 in einem Dokumentationsband von Vorträgen zur Vorbereitung der Oberammergauern Passionsfestspiele 2010



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