Die Petrusstatue auf dem von Bernini gestalteten Petersplatz in Rom




Über Petrus,den ängstlichen Fischer und starken Felsen, dreht sich ein Tagesgespräch im domradio am 27. 3. 2013. Interviewpartner ist Thomas Söding von der Ruhr-Universität Bochum

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Petrus

„Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“ (Mt 16,18). Mit zweieinhalb Meter großen Buchstaben ist dieser Satz in die Kuppel des Petersdomes geschrieben. An der Fassade, hoch über dem Petersplatz, steht die Figur des Apostelfürsten, der den Schlüssel hält: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelsreiches geben. und was du auf Erden bindest, wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden löst, wird im Himmel gelöst sein“ (Mt 16,19).
Die neutestamentliche Szenerie ist weniger pompös als die vatikanische Inszenierung, aber tiefgründiger. Jesus hat in Caesarea Philippi, am nördlichsten Punkt seiner Wanderungen, die Jünger gefragt, für wen ihn die Menschen und für wen ihn seine Jünger halten. Die Antwort des Petrus: „Du bist der Christus“. Darauf folgt – nur bei Matthäus – das Felsen- mit dem Schlüsselwort.
Petrus ist der Erste der Jünger Jesu – aber er ist auch derjenige, der Jesus vom Weg des Kreuzes hat abbringen wollen und der Jesus dreimal verleugnet hat. Jesus aber hat seinen Jünger nicht fallengelassen. Darauf kann die Kirche bauen.

Der heutige Nachfolger des Petrus, Papst Benedikt XVI., hat am Drama des Petrus das Drama der Kirche sichtbar gemacht:

„Er, der von Gott her Felsgrund sein darf, ist vom Eigenen her ein Stein auf dem Weg, der den Fuß zum Stolpern bringen will ...
Die Spannung zwischen der Gabe vom Herrn her und dem eigenen Vermögen wird hier auf erregende Weise sichtbar; irgendwie ist hier das ganze Drama der Papstgeschichte vorweggenommen, in der uns immer wieder beides begegnet: dass das Papsttum durch eine nicht aus ihm selbst stammende Kraft Fundament der Kirche bleibt und dass zugleich einzelne Päpste aus dem Eigenen ihres Menschseins heraus immer wieder zum Skandalon werden, weil sie Christus vorangehen, nicht nachfolgen wollen; weil sie glauben, aus ihrer Logik heraus den Weg festlegen zu müssen, den doch nur er selbst bestimmen kann.“
(Josef Ratzinger, Zur Gemeinschaft berufen. Kirche heute verstehen, Freiburg - Basel - Wien 1991, 56.57)

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