NACH OBEN

Rom sehen - Tag 3

24.03.2024

Romtag3f

Auf dem Kapitol vor dem Forum

Er verkündete das Reich Gottes (Apg 28,31)

Romtag3f

Auf dem Kapitol vor dem Forum

Er verkündete das Reich Gottes (Apg 28,31)


Der 3. Tag der Exkursion spannte einen neuen Bogen zwischen der Politik des Imperium Romanum, die religiös überhöht ist, und der Präsenz katholischer Religion im Rom, die politisch relevant ist.

Das Forum Romanum war das erste Exkursionsfeld. Die ökonomischen, politischen und religiösen Dimensionen gehen dort eine hoch verdichtete, hoch effiziente und hoch attraktive Einheit ein. Durch die antiken Jahrhunderte hindurch hat sie sich stets so verändert, dass sie ihre zentrale Bedeutung behalten konnte. Der Übergang von der Republik zum Prinzipat hat die traditionellen Formen hochgehalten, aber mit neuen machtvollen Inhalten gefüllt. Die großen Basiliken auf dem Forum sind Tempel des Marktes, die von den Herrschern zum eigenen Ruhm und zum Nutzen des Volkes errichtet worden sind. Von den archaischen Kulten der agrarischen Fruchtbarkeitsgötter über den faszinierenden Dienst der Vestalinnen am mythischen Feuer des Staatshaushaltes bis zu den Tempeln divinisierter Herrscher reicht die religiöse Codierung imperialer Macht. 

Ein besonderes Augenmerk galt dem Titusbogen: aus neutestamentlicher Perspektive die Erinnerung an die verheerende Zerstörung Jerusalems, aus jüdischer Perspektive das Monument einer Niederlage, die zum Startschuss für eine neue Zukunft geworden ist, aus römisch-politischer Perspektive die Manifestation eines der vielen Siege über ein unbotmäßiges Volk: Vergewisserung der eigenen Stärke ebenso wie Dokument der Abschreckung möglicher Störer des römischen Friedens.

Der Nachmittag war einer fulminanten Führung durch den Petersdom gewidmet: erschlossen als spiritueller Ort, der an den Grabmälern der Päpste die Auferstehungshoffnung des Christentums festmacht, als ästhetischer Ort, der die Petrus-Tradition als Inszenierung transzendenter Gegenwart erhellt, und als liturgischer Ort, der die Christenheit sammelt, um sie zu Gott zu führen. Vom kleingläubigen Petrus auf einem Mosaik in der Vorhalle bis zum mächtigen Bernini-Baldachin über dem Petrusgrab spannt sich die Erzählung, die durch ein Schriftband mit gezielt ausgewählten Petruspassagen aus dem Neuen Testament, das den gesamten Petersdom durchzieht biblisch erschlossen wird. 

Den Abschluss bildete ein kleines weiteres Symposion in der Aula des Campo Santa mit vier studentischen Vorträgen zum literarischen Aufbau des Petrus-, Paulus- und Rom-Bildes: in der Stadt, die ihre religiös-politischen Ansprüche auf die beiden Apostel zurückführt, deren Gräber in Rom verehrt werden. 

Die drei Tage hatten eine straffe Regie, die genau aufgegangen ist. Jeder Tag hatte seine eigene Charakteristik - die verschiedene Facetten jenes farbenreichen und tiefgründigen Bildes Politischer Theologie erschlossen hat, die in kaum einer Stadt so genau beobachtet werden kann wie in Rom. Für die Studierenden war es forschendes Lernen par excellence, auch in der Verbindung verschiedener Interessen, Ansätze und Perspektiven untereinander, speziell im Verhältnis von Theologie und Geschichtswissenschaft. Für die Promotionsstudierenden war die Exkursion eine Gelegenheit, die Orientierung an den neutestamentlichen Texten an einem hoch prominenten Ort durch reflektierte Bodenhaftung zu schärfen und zugleich eine Vernetzung mit internationaler Bibelforschung zu betreiben, wie sie so verdichtet nur in Rom zu finden ist.  

Ohne die Unterstützung der Forschungsinstitutionen und Wissenschaftssponsoren wäre die Exkursion nicht möglich gewesen. Der Dank ist groß - die Unterstützungsgelder sind sehr gut investiert. 

                                

                                     

DAAD                         RUB Research School                                BiB FAIR BANKING

 

                                         

Gesellschaft der Freunde               Förderverein der Katholisch-Theologischen

der RUB                                            Fakultät