03.06.2026
Die Gemeinwohl-Debatte ist wieder neu entbrannt. Die multiplen Krisen lassen nach dem universalen wie lokalen Gemeinsamen fragen. Gibt es das noch: einvernehmliche Verständigung auf universelle Werte und diese sichernde Verfahren? Und wer sieht diese Verständigung als seine wichtigste Aufgabe? Im Zuge der Vertrauenserosionen staatlicher Instanzen kommt hier der Dritte Sektor wieder neu als Hoffnungsträger ins Spiel.
Was macht das mit den Kirchen? Die scheinen mit sich selbst beschäftigt – allenfalls beklagen sie die grassierende Indifferenz ihnen gegenüber. Immer stärker bedienen sich dafür rechtsgerichtete Kräfte des Gemeinwohl-Diskurses, und sie verschieben ihn lokal und national.
Was macht das mit der Theologie? Sie steht auf dem Prüfstand. Hält sie sich heraus aus solchen Vergewisserungsprozessen, dann fehlt im Diskurs die enorme Kraft ihrer alten und neuen Texte, ihrer Geschichte, ihrer Traditionen, ihrer Akteure. Demokratie als Lebens- und als Politikform intellektuell zu begleiten und selbst begleitet zu werden – das ist genuine Aufgabe von öffentlicher universitärer Theologie.
Wir laden Sie nach Bochum ein zu einem ‚Tag der Theologie‘. Begegnen Sie der vollen Kraft der Theologie im Ruhrgebiet und diskutieren Sie mit uns diese bedeutenden Fragen.
Ihr
Prof. Dr. Matthias Sellmann, Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum
Die Gemeinwohl-Debatte ist wieder neu entbrannt. Die multiplen Krisen lassen nach dem universalen wie lokalen Gemeinsamen fragen. Gibt es das noch: einvernehmliche Verständigung auf universelle Werte und diese sichernde Verfahren? Und wer sieht diese Verständigung als seine wichtigste Aufgabe? Im Zuge der Vertrauenserosionen staatlicher Instanzen kommt hier der Dritte Sektor wieder neu als Hoffnungsträger ins Spiel.
Was macht das mit den Kirchen? Die scheinen mit sich selbst beschäftigt – allenfalls beklagen sie die grassierende Indifferenz ihnen gegenüber. Immer stärker bedienen sich dafür rechtsgerichtete Kräfte des Gemeinwohl-Diskurses, und sie verschieben ihn lokal und national.
Was macht das mit der Theologie? Sie steht auf dem Prüfstand. Hält sie sich heraus aus solchen Vergewisserungsprozessen, dann fehlt im Diskurs die enorme Kraft ihrer alten und neuen Texte, ihrer Geschichte, ihrer Traditionen, ihrer Akteure. Demokratie als Lebens- und als Politikform intellektuell zu begleiten und selbst begleitet zu werden – das ist genuine Aufgabe von öffentlicher universitärer Theologie.
Wir laden Sie nach Bochum ein zu einem ‚Tag der Theologie‘. Begegnen Sie der vollen Kraft der Theologie im Ruhrgebiet und diskutieren Sie mit uns diese bedeutenden Fragen.
Ihr
Prof. Dr. Matthias Sellmann, Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum
09:30 - 10:15 Uhr: Begrüßung (Raum GA 03/149)
10:30 - 11:45 Uhr: Workshop-Phase 1 (verschiedene Räume)
12:30 - 13:15 Uhr: Mittagspause in der Mensa
13:15 - 14:30 Uhr: Workshop-Phase 2 (verschiedene Räume)
14:30 - 15:00 Uhr: Kaffeepause im Beckmannshof
15:00 - 16:00 Uhr: Theologie auf dem Prüfstand. Ihre Aufgabe in Kirche und Gesellschaft.
Anschließend: gemeinsamer Ausklang im Beckmannshof
Workshop 1, Raum GABF 04/714
„Demokratische Herausforderung: Clans auch im Ruhrgebiet – Zwischen urtümlichem Gentilismus und hochreligiösem Universalismus“
Prof. Dr. Hubertus Lutterbach, Essen (Lehrstuhl für Christentums- und Kulturgeschichte (Historische Theologie))
Beschreibung:
Die Vorstellung vom reinen Blut als Basis für die reine Abstammung und das reine Volk zählt zu den frühesten Konstruktionen für das Verständnis menschlichen Zusammenlebens. Was bedeutet diese scheinbar klare Selbstverortung, die auch Clans (ursprünglich arabischer Provenienz) im Ruhrgebiet für sich in Anspruch nehmen? Der Vortrag erläutert das Miteinander in clanartig organisierten Abstammungsgemeinschaften innerhalb des Spannungsfeldes von urtümlichem Gentilismus und hochreligiösem Universalismus. Auf dieser Basis stellt sich umso nachdrücklicher die Frage, ob und inwieweit die Macht der Clans im demokratischen Miteinander tolerabel ist.
Workshop 2, Raum GABF 04/716
„Apokalyptische Texte und politische Theologie“
PD Dr. Gregor Taxacher, Dortmund (Lehrstuhl für Systematische Theologie)
Beschreibung:
Die apokalyptischen Texte der Bibel haben in der Theologie oft keinen guten Ruf: Düsterer Dualismus, gewaltvolle Strafphantasien, eine gefährliche Wirkungsgeschichte bis heute. Und doch ist die Konfrontation mit diesen Texten unverzichtbar für eine politische Theologie im Anthropozän, mitten in der ökologisch-sozialen Katastrophe unserer Zeit. Im Workshop diskutieren wir diese These an biblischen und systematischen Texten.
Workshop 3, Raum GA 6/134
„Was tun mit der leeren Kirche?“ Sakralraumtransformationen und die Rolle der Kirche in der Gegenwartsgesellschaft
Lukas Kipping, Bochum (Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft)
Beschreibung:
Kirchengebäude prägen in ihren unterschiedlichsten Stilen und Epochen die Stadtbilder des Ruhrgebiets. Die hohe Dichte der Sakralräume lässt besonders in der Metropolregion die Frage virulent erscheinen, der sich die christlichen Kirchen in ganz Deutschland gegenübersehen: Was tun mit den liturgischen Räumen, wenn die Kosten steigen und die Mitgliedszahlen sinken? Vor diesem Horizont befasst sich der Workshop mit der Bedeutung sakraler Räume für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt und den damit verbundenen Herausforderungen und Chancen für Kirchengebäude unter Konversionsdruck.
Workshop 4, Raum GABF 04/709
„Vulnerabilität als biblische Grundhaltung für gelingende gesellschaftliche Beziehungen“
Dr. Benedict Schöning, Essen (Oberstudienrat für Altes Testament)
Beschreibung:
Vulnerabilität als Analysekategorie deckt im Alten Testament Einsichten darüber auf, wie individueller und gesellschaftlicher Zusammenhalt trotz der Begrenztheit des Menschen funktionieren kann. Sich dem Gegenüber verwundbar zu machen, zu halten und darin nicht verletzt zu werden, schafft Beziehungen und gesellschaftliche Kohäsion, fordert aber Selbstbeschränkung derer, die Macht haben. Das lässt sich biblisch zeigen, das lässt sich sogar als göttliche Eigenschaft benennen. Wer von der Bibel lernt, dass Vulnerabilität die Bedingung für Beziehung und in aufrechterhaltener Verwundbarkeit eine Gegenmacht gegen Gewalt liegt, der kann demokratische Gesellschaften stützen.
Workshop 1, Raum GABF 04/354
„Kann man vom Neuen Testament her im 21. Jahrhundert Kriege rechtfertigen?“
Prof. Dr. Reinhard von Bendemann, Bochum (Evangelische Theologie, Lehrstuhl für Neues Testament und Judentumskunde)
Beschreibung:
Das Neue Testament weiß um die enge Korrelation zwischen innerem und äußerem Frieden der Polis; Zwist, Unfrieden und Bürgerkrieg im Inneren (Mikrokosmos) findet in verschiedenster Weise ein Widerlager im Makrokosmos der Beziehungen zwischen Ethnien und Staaten – und umgekehrt (vgl. Lk 11,14ff.; 14,28-32; Apk 6,1-4 u.v.a.). In Anbetracht der veränderten weltgeschichtlichen Lage und zahlreicher Formen von ‚just war theories‘, die in jüngster Zeit en vogue geworden sind, wollen wir uns im Workshop in gemeinsamer Lektüre auf einige neutestamentliche Grundtexte zurückbesinnen und über sie ins Gespräch kommen. Was können in den aktuell stark veränderten Diskursen Jesu Seligpreisung der Frieden-Schaffenden, seine Forderung der Feindesliebe und des Verzichts auf Wiedervergeltung u.a.m. bedeuten?
Workshop 2, Raum GABF 04/714
„Welches ist dein Part in der wirksamen und umfassenden Befreiung der Unterdrückten?“
Johannes Thüne, Bochum (Lehrstuhl für Fundamentaltheologie)
Bescchreibung:
Das Zitat stammt von den Befreiungstheologen Leonardo und Clodovis Boff.
In der Lehrveranstaltung lesen wir als Basis Textauszüge aus ihrem Werk „Wie treibt man Theologie der Befreiung?“ Wozu uns unsere Seminar-auseinandersetzungen hinführen werden, können Sie auszugsweise im Workshop erfahren und einen kleinen Wegabschnitt gemeinsam mit uns gehen.
Workshop 3, Raum GA 6/134
„Wie arbeitet eine gemeinwohlwirksame Kirche – und wie kann man das messen?“
Prof. Dr. Matthias Sellmann und Nikita Katsuba, Bochum (Lehrstuhl für Pastoraltheologie)
Beschreibung
Die Kirchen stehen hierzulande in einer epochalen Vertrauenskrise. Empirische Studien verweisen darauf, dass die Wahrnehmung von Gemeinwohlwirksamkeit neues Kompetenzvertrauen aufbauen kann. Der Workshop führt in die Erkenntnisse eines aktuellen Forschungsprojekts zu diesem Thema ein. Pastoraltheologisch kann man zeigen: Das Kriterium der Gemeinwohlwirksamkeit kann man ekklesiologisch gut begründen; man kann es sozialtheoretisch präzisieren; man kann zeigen und sogar messen, wie kirchliche Praxis sich verändert.
Katholisch-Theologische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, mit Beteiligung von Theolog:innen des Instituts für Katholische Theologie der Technischen Universität Dortmund, des Instituts für Katholische Theologie der Universität Duisburg-Essen sowie der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum