25.09.2026
Wie gelingt es, Glaube zeitgemäß zu vermitteln? Wie können religiöse Inhalte crossmedial erzählt werden? Diesen Fragen haben sich die Studierenden des Masters „Crossmediale Glaubenskommunikation“ gewidmet – und in ihren Abschlussarbeiten eigene Antworten entwickelt. Die letzten Absolvierenden nahmen ihre Urkunden am 18. September 2026 beim Alumnitreffen im Beckmannshof entgegen.
Wie gelingt es, Glaube zeitgemäß zu vermitteln? Wie können religiöse Inhalte crossmedial erzählt werden? Diesen Fragen haben sich die Studierenden des Masters „Crossmediale Glaubenskommunikation“ gewidmet – und in ihren Abschlussarbeiten eigene Antworten entwickelt. Die letzten Absolvierenden nahmen ihre Urkunden am 18. September 2026 beim Alumnitreffen im Beckmannshof entgegen.
Der berufsbegleitende Master-Studiengang startete zum Wintersemester 2020 an der Akademie der Ruhr-Universität Bochum – als Antwort auf eine sich verändernde Medienlandschaft und neue Kommunikationswege. Denn auch Kirche braucht professionelle PR und Leute, die sie beherrschen. Prof. Dr. Matthias Sellmann, Gründer des Zentrums für Angewandte Pastoralforschung und Leiter des Studiengangs, betonte: „Glaubenskommunikation ist einer der wichtigsten Hebel für eine Kirche, die sich ihrer Kultur verständlich machen will. Solche Kompetenz sollte man nicht dem Zufall überlassen. Eine Kirche, die nicht spricht, lernt auch nichts und kann Glauben nicht attraktiv performen.“ Die Kirche müsse dort präsent sein, wo die Menschen sind, die sie erreichen will – eben auch im Netz und auf den Plattformen. „Es braucht also Leute, die crossmedial vermitteln können – und wir sind sehr stolz, dass wir solche Menschen ausgebildet haben.“
Ihre Master-Urkunden nahmen Dirk Boch, Tobias Schulte, Monika Brinkmöller und Beate Schmid entgegen. Nicole Lauterwald freute sich über ein Zertifikat. Doch nicht nur die Übergabe der Zeugnisse stand auf dem Programm: Neuere und frühere Absolvierende tauschten sich gemeinsam mit Dozierenden über Erkenntnisse und Erinnerungen aus. Dabei kamen viele der spannenden Masterarbeiten noch einmal zur Sprache. So beschäftigte sich Clara Vogel, Jugendbildungsreferentin in der Jugendkirche Kana in Wiesbaden, mit Popkultur als Mittel der Glaubenskommunikation. „Ich habe daraus ganz viele Ideen mitgenommen, die ich nun in Workshops weitergeben darf. Ich freue mich immer darüber, den Leuten mitzugeben, wie man zeitgemäß kommunizieren kann.“ Tobias Schulte nahm in seiner Masterarbeit das Glaubensportal YOUPAX in den Fokus, für das er als Redakteur arbeitet. „Ich habe herausgefunden, dass unsere Kernaufgabe sein sollte, jungen Menschen anhand von alltäglichen Situationen zu vermitteln, inwiefern ihnen der Glaube dabei helfen kann, ein gutes Leben zu führen. Alltägliche Erfahrungen sollten der Ausgangspunkt unseres Glaubens und auch der Glaubenskommunikation sein“, so Schulte.
Neue Denkanstöße und Gelegenheit zur Diskussion lieferten im Anschluss zwei Vorträge. Prof. Erik Flügge, hauptverantwortlich für die kommunikationsbezogenen Module im Studium, sprach zu „Strategien der Glaubenskommunikation jenseits des Prinzips Hoffnung“. Der Professor für politische Kommunikation stellte die Frage, weshalb der christliche Glaube in anderen Teilen der Welt boome, in Deutschland jedoch immer weniger Menschen religiös seien. Seine These: „Wir sinnentleeren unsere eigenen Rituale durch intellektuelle Durchdringung, dekonstruieren Religiosität.“ Es gebe Formen von Volksglauben, die von Generation zu Generation immer gleich weitergegeben würden, ohne hinterfragt zu werden – wie etwa das „Wünsch dir was“ beim Anblick einer Sternschnuppe. Christliche Rituale hingegen würden infrage gestellt und rationalisiert. Als Beispiel nannte Flügge Weihwasser: „Hollywood hat sich auf eine Funktion von Weihwasser geeinigt. Theologinnen und Theologen haben das nicht.“ Dabei brauche Glaubenskommunikation Einheitlichkeit, so Flügge. Denn er denke nicht, dass Menschen per se ungläubiger geworden seien – Horoskope seien zum Beispiel nach wie vor beliebt. Flügge regte an: „Das magische Denken der Menschen ist kein Gegner Gottes, sondern ein Schlüssel zur Perspektiverweiterung.“
Prof. Dr. Matthias Sellmann beleuchtete in seinem Vortrag die „Sechs Qualitätsachsen crossmedialer Glaubenskommunikation“. Durch Pluralisierung, Digitalisierung und Plattformisierung erweitere sich das überkommene Dreieck der Glaubenskommunikation um weitere Achsen zu einem Hexagon. Sellmann profilierte die Chancen, aber auch die Grenzen dieser neuen Komplexität. Zudem wies er auf die Gefahr von Übersteigerungen jedes Pols hin: So dürfe persuasive Kommunikation nicht zu manipulativer Rhetorik werden; zugleich dürfe die Auslegung des Wortes Gottes als Botschaft nicht seine Anschlussfähigkeit an Philosophie, Wissenschaft und Kultur verlieren. Außerdem müsse die Plattformisierung ethisch und pastoral reflektiert werden. Sie dürfe jedoch nicht dazu führen, dass nur noch KI eingesetzt werde. Auch wenn das übliche Sender-Empfänger-Modell der Kommunikation überholt sei, sei die Qualität von Glaubenskommunikation letztlich daran zu bemessen, ob die Hörer*innen in eine „Verwandlungsdynamik“ kämen. Sellmann schloss mit dem Appell ab, dass weiter gute Ausbildung angeboten werden müsse – gerade weil die Qualitätsanforderungen an christliche Glaubenskommunikation sich erweitern und ansteigen. „Typen wie Paulus fallen vielleicht vom Pferd, aber sicher nicht vom Himmel!“
Der Abend machte deutlich: Crossmediale Glaubenskommunikation ist mehr als die Frage nach dem richtigen Kanal. Es geht darum, religiöse Inhalte professionell und anschlussfähig für heutige Lebenswelten zu erzählen. Der Studiengang hat dafür Menschen ausgebildet, die Glaube, Kirche und Religion in einer veränderten Medienlandschaft kompetent kommunizieren können. Auch wenn nun die letzten Absolvierenden verabschiedet wurden, bleiben die Fragen, mit denen sie sich befasst haben, aktuell.