Von „apokalyptischen Szenen“ oder „apokalyptischen Ausmaßen“ ist heute sehr schnell die Rede, wenn es darum geht, die verheerenden Ausmaße von Großschadensereignissen oder Naturkatastrophen zu beschreiben. Obwohl die Bezüge zur apokalyptischen Literatur nicht von der Hand zu weisen sind, gerät bei diesen Vergleichen doch die positive, ja verheißungsvolle Seite der Texte leicht in Vergessenheit. Der Vortrag untersuchte die Metaphorik von Heil und Heilung in der Apokalypse des Johannes. Das Bildfeld wird dort als positives Gegenkonzept für zahlreiche Krankheiten und Katastrophen etabliert und ist eng mit dem Machtdiskurs verbunden, der in diesem letzten Buch des neutestamentlichen Kanons verhandelt wird.
Der Vortrag trug den Titel „‚Und die Blätter des Baumes dienen zur Heilung der Völker‘ (Offb 22,2). Medizin und Macht in der Johannesoffenbarung“. Er fand am 27. Mai 2026 im Wissenschaftshistorischen Kolloquium des Instituts für Geschichte der Pharmazie und Medizin in Marburg statt. Das Institut für Geschichte der Pharmazie und Medizin ist die einzige selbstständige Einrichtung im deutschsprachigen Raum, in der Pharmazie- und Medizingeschichte gemeinsam vertreten sind. Dort arbeitet ein interdisziplinär zusammengesetztes Team aus Natur- und Geisteswissenschaftler*innen.
Foto: Dr. Julia Pflug