Nachwuchstheologe bringt Robotern Manieren bei

01.02.2018

Rotary-Universitätspreis 2017 an Absolventen der Katholischen Theologie verliehen
Wie Roboter moralisches Verhalten lernen können, untersuchte Mag.-Theol. Lukas Brand am Lehrstuhl für Philosophisch-Theologische Grenzfragen der Katholisch-Theologischen Fakultät. In seiner Arbeit „Künstliche Intelligenz und die Fähigkeit moralischen Urteilens“ kombinierte Brand moderne Verfahren des Maschinenlernens mit der Ethik des antiken Philosophen Aristoteles. Im Rahmen des Semesterkonzertes zeichneten der Rektor der RUB und der Rotary Club Bochum-Hellweg, vertreten durch den Incoming-Präsidenten Tilman Diedrich, den Magisterstudenten mit dem Universitätspreis 2017 aus.

Semesterabschlusskonzert 2018

Alles ist KI
In der digitalisierten Gesellschaft ist künstliche Intelligenz (KI) mittlerweile fast allgegenwärtig. KI entscheidet, welche neue Serie Netflix seinen Zuschauern oder welches Buch Amazon seinen Kunden empfiehlt. Die digitalen Assistenten von Google, Apple, Microsoft, Samsung und Amazon sind Formen von KI. Die Gesichtserkennung am Berliner Südkreuz basiert auf intelligenter Software. KI-Software hat in den vergangenen zwei Jahren Weltmeister in klassischen Brettspielen, wie Schach, Go oder Shogi geschlagen und spielt mittlerweile sogar erfolgreich Poker.
Als Software ist ihre Handlungsfähigkeit begrenzt. Wird eine Software jedoch mit einer Maschine kombiniert, kann sie selbständig praktische Aufgaben in der Produktion, in Medizin oder der Forschung übernehmen. Intelligente Software soll außerdem in der Lage sein, flexibel auf neue Informationen zu reagieren und sich an veränderte Umgebungsbedingungen anzupassen. Was aber, wenn eine solche Maschine, etwa ein selbstfahrendes Auto, auf ein moralisches Problem stößt? Kann eine KI moralische Aspekte erkennen? Und wenn ja, wie soll und kann sie darauf reagieren?

Roboter könnten moralisches Verhalten lernen
Die Merkmale moralischer Probleme sollten der Maschine nicht im klassischen Sinne einprogrammiert werden, meint der Nachwuchstheologe. Moderne KI ist in der Lage, die maßgeblichen Aspekte einer konkreten Situation selbständig zu erkennen, indem sie aus vielen Beispielen oder aus langen Versuchsreihen lernt und Erfahrungen sammelt.
Was KI heute so erfolgreich macht ist ein künstliches neuronales Netzwerk, das in seiner Funktionsweise vom menschlichen Gehirn inspiriert ist. In unterschiedlichen Verfahren lernen die Maschinen Muster zu erkennen, die zur erfolgreichen Bewältigung verschiedener Aufgaben führen. Sie sind in der Entwicklung ihrer Lösungsstrategien dabei weitaus erfolgreicher als menschliche Experten in ihren Anwendungsgebieten.

Den theoretischen Rahmen liefert ein antiker Philosoph
Für den antiken Philosophen Aristoteles (384-322 v.Chr.) ist eine moralische, tugendhafte Handlung in der Erfahrung des Handelnden begründet. Es ist nicht auszuschließen, dass ein künstliches neuronales Netzwerk auch ein Muster in menschlichem, moralischen Verhalten findet, dieses Muster als Erfahrungswert übernimmt und auf neue Situationen anwendet. Ist das Verhalten der KI dann vom moralischen Verhalten eines Menschen nicht mehr zu unterscheiden – oder übertrifft sie dieses sogar – kann die KI als moralisch urteilsfähig gelten, folgert Brand in seiner Arbeit.

Thema erlangt immer mehr Aufmerksamkeit
Mit der zunehmenden Autonomie von Maschinen wird die Frage nach ihrem Verhalten in moralisch signifikanten Situationen immer drängender. Das zeigt auch die wachsende Aufmerksamkeit, die große Technologieunternehmen diesem Thema in den vergangenen Monaten gewidmet haben: So gründete Google im Herbst 2017 eine Forschungsabteilung Ethik & Gesellschaft. Microsoft brachte im Januar 2018 ein Buch heraus, das sich mit den Einflüssen der KI auf die Gesellschaft beschäftigt und kündigte an, sich diesem Thema in Zukunft verstärkt zu widmen.

Mit dem Rotary-Universitätspreis wird jährlich eine Abschlussarbeit an der Ruhr-Universität Bochum ausgezeichnet. Der Preis ist mit 2000 Euro dotierte und wird in diesem Jahr zum 17. Mal vergeben.

Brand Rotarypreis

Hier finden Sie eine ausführliche Pressemitteilung der RUB-Pressestelle.
Lesen Sie hier den Beitrag des RUB-Newsportal zum Semesterabschlusskonzert.


Lukas Brand, Lehrstuhl für Philosophisch-Theologische Grenzfragen, Ruhr Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel.: 0234/32-22414, E-Mail: lukas.brand@rub.de.

Bilder: RUB, Kramer